Reform 2003
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Die Reform 2003 sollte im Zuge der Veröffentlichung des Themensets Barbaren & Handelsherren (B&H) einige Probleme im Turnierspiel des Catan Kartenspieles beheben.
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Vorgeschichte
Nachdem sich durch die Veröffentlichung der CD-ROM-Version im Jahr 2001 ein reger Austausch in Internetforen zwischen den online-Spielern ergeben hatte, wurden einige Probleme des Turnierspiels offensichtlich. Bis dahin hatte das seit 1997 mögliche Turnierspiel ein Dornröschendasein gefristet, da es außer dem 1. bundesweiten Turnier 1997 keinerlei Turniere gab und auch die Möglichkeiten der 1999 erschienenen neuen Karten noch nicht ausgelotet waren. Erst das online-Spiel ermöglichte die Perfektionierung der Strategien, zeigte aber auch die Probleme auf.
Das Hauptproblem war, dass Aktionskarten erst gespielt werden konnten wenn beide Spieler mindestens 3 Siegpunkte hatten. So konnte ein Spieler zunächst viele Rohstoffe anzusammeln ohne zunächst weitere Siegpunkte zu erzielen und seine Ausbaustapel sortieren. In einem bestimmten Moment, nachdem der Gegner seinerseits den 3. Punkt gemacht hatte, machte er seinen 3. Siegpunkt und konnte dann das Spiel zu seinen Gunsten in einem Zug beenden, selbst wenn er zu dem Zeitpunkt mit 2:8 zurück lag. Der Gegner, der durch diese Taktik seine Aktionskarten nicht ausspielen konnte, hatte dann keine Chance mehr zu reagieren, z.B. durch das sogenannte Kanzlerdeck[1]. Diese an sich geniale Strategie führte dazu, dass in vielen Spielen niemand mehr als erster den 3. Siegpunkt machen wollte, da er das Spiel dann mit Sicherheit verlor. Fernerhin war die ursprünglich geplante Strategievielfalt auf zwei Grundrichtungen zusammengeschrumpft: Bildung und Zauberei. Während Spieler, die die Bildungs-Strategie wählten sich darauf stützten durch Erhöhung der Handkartenzahl und Ausnutzung der Universitäts-Folgekarten von den Ertragswürfeln unabhängig zu werden und zudem durch Inquisitionen das Aufbauspiel des Gegners zu verhindern, war der Hauptzweck der Zauberei die Kontrolle von Kartenstapeln und Ereignissen. Hierdurch hatten andere Strategien, die z.B. auf Flotten oder Ritter setzten nur selten eine Chance. Andererseits führten Spiele bei denen gleiche Strategien aufeinander trafen häufig zu Patt-Situationen oder dazu, dass Spiele frühzeitig entschieden waren weil die Einmaligkeit der Zauberer es dem Erstausleger ermöglichte eine höhere Anzahl von Zauberern zu nutzen, die für die Strategie essentiell waren. Hinzu kam, dass manche der durch den Ideenwettbewerb entstandenen und 1999 in den neuen Themensets veröffentlichten Karten nicht ausgewogen waren.
Dies führte zunächst dazu, dass bei der vom Kosmos-Verlag veranstalteten und vom Spielezentrum Herne durchgeführten Deutschen Kartenspiel-Meisterschaft 2002 zusätzlich die Alternativregel galt, dass Aktionskarten gespielt werden konnten wenn beide Spieler in ihren Fürstentümern einmal zusammen mehr als 22 Rohstoffe hatten und dass Spieler im Laufe des Turnieres ihr Deck mittels 4 Karten eines so genannten Side-Decks modifizieren konnten. Diese Regeln fanden in Spielerkreisen aber nur geringe Zustimmung und in Internetforen wurden Änderungen gefordert.
Die Reform
Deshalb entschloss sich Klaus Teuber Mitte 2002 zusammen mit einem Entwicklungsteam ein neues Themenset zu veröffentlichen und das Kartenspiel zu reformieren. Die Reform lässt sich in 3 Teile gliedern:
Klassifizierung der Karten
Jede Karte erhielt einen Zusatz, der eindeutig die jeweilige Kartenart beschreibt. So wurden Aktionskarten und Zauberbücher in 3 Kategorien (Angriff, Neutral und Schutz) eingeteilt. Zusätzlich wurden Karten die auf Straßen gelegt werden können als Straßenausbauten ohne Textkasten und Karten, die über oder unter ganz bestimmte Landschaften gelegt werden können als Landschaftsausbauten mit braunem Textkasten klassifiziert. Zauberer wurden als eigene Kartengattung klassifiziert. Da sie wie Landschaftsausbauten nur an bestimmte Landschaften angelegt werden können und diese damit vor bestimmten Aktionen schützen erhielten sie einen braunen Textkasten.
Allgemeine Regeländerungen
Mit Ausnahme von Schutzkarten dürfen Aktionskarten erst gespielt werden wenn beide Spieler zusammen einmal mind. 7 Siegpunkte haben. Schutzkarten dürfen dagegen von Beginn an gespielt werden. Damit ist es nicht mehr möglich, dass ein Spieler Rohstoffe hortet ohne dass der Mitspieler darauf eine Zugriffsmöglichkeit hat.
Wie schon zuvor für die Karten Kanzler und Inspiration müssen nun in allen Fällen Karten, die das Handkartenlimit überschreiten erst am Ende des Zuges abgelegt werden. Lediglich wenn man nicht am Zug ist oder eine Handkarte in der Würfelphase erhielt musste man weiterhin sofort überzählige Karten ablegen. Letzteres wurde dann Ende 2006 auch geändert, so dass der aktive Spieler sein Handkartenlimit nur noch am Ende seines Zuges einhalten muss.
Änderungen einzelner Karten
Baukran
- Durch die Reform können nur Gebäude die mind. 5 Rohstoffe kosten damit billiger gebaut werden.
Bürgerkrieg
- Von den Flotten kann der Gegner nur Handelsflotten auswählen. Damit sollte verhindert werden, dass Kaperflotten immer wieder auf die Hand kommen und bei jedem Neubau eine Handelsflotte des Gegners aus dem Spiel muss.
Drachen und Metropole
- Nach der Reform können Drachen nicht mehr auf Metropolenausbauplätze gelegt werden.
Geheimbund und Metropole
- Nach der Reform kann auch eine Metropole gebaut werden wenn das Zielgebäude des Geheimbundes eine Kirche oder ein Rathaus ist.
Großer Turnierplatz
- Durch die Reform kostet er 1 Wolle mehr und erhält die Bedingung "Mehr Turnierpunkte als der Gegner", bekommt dafür aber einen Siegpunkt.
Inspiration, Hüter des Schicksals und Wissen der Ahnen
- Durch die Reform kosten diese nun 2 Zauberkräfte, Zauberern fällt es damit schwerer gleichzeitig Ereignisse und Kartenstapel zu kontrollieren, zudem wird das mehrmalige Benutzen von Aktionskarten damit teurer.
Kanonen
- Durch die Reform können diese durch eine Burg nicht mehr verbilligt werden.
Kanzler
- Durch die Reform erhält der Kanzler als Bedingung das Rathaus.
Kolonialstützpunkt und Schatzflotte
- Durch Übernahme in das neue Set "Barbaren & Handelsherren" (vorher Bestandteil von T2002) erhalten sie nun die Bedingung "Hafen" (vorher "Entdeckerflotte", ebenfalls T2002). Der Kolonialstützpunkt erhält zudem einen braunen Textkasten.
Landschaftsausbauten (Färberei, Kunstschmiede und Schnapsbrennerei)
- Durch die Reform sind diese nicht mehr an Landschaften, die an eine Stadt grenzen gebunden. Da das Handelskontor, das als Bedingung vorhanden sein muss nur in eine Stadt gebaut werden kann, muss allerdings weiterhin mind. eine Stadt im Fürstentum vorhanden sein.
Ratssitzung
- Durch die Reform muss nur eine statt zwei Karten unter den Stapel geschoben werden. Damit wird aus dem Tausch von 3 in 2 Karten ein Tausch 2 in 2 Karten.
Richard der Rächer
- Dieser kann nach der Reform nicht mehr umgewandelt werden, wenn ein Stein der Weisen gebaut wurde.
Spion
- Um Zauberer, Zauberaktionskarten und Zauberbücher im Erweiterten Grundspiel mit Z&D oder im Turnierspiel stehlen zu können musste der Spieler eine Zitadelle gebaut haben. Mit der Reform wurde die Stehlbarkeit von Zauberaktionskarten (die forthin nur noch Aktionskarten heißen) auch für Muggle-Spione eingeführt. Die Stehlbarkeit von Zauberern und Zauberbüchern wurde aber generell abgeschafft. Es sind im Erw. Grund- und Turnierspiel also nur noch alle Arten von Aktionskarten und Einheiten stehlbar, sofern sie keine Immunität gegen Spione besitzen.
- Ab dem Frühjahr 2006 gilt diese Regel auch für das Basis-Kartenspiel, bei dem bis dahin noch Gebäude stehlbar waren.
Stein der Weisen
- Nach der Reform sind alle Angriffs-Aktionen und Angriffs-Zaubersprüche nicht mehr spielbar, vorher war die Wirkung auf Aktionen und Zaubersprüche beschränkt, die gegen Rohstoffe, Einheiten und Gebäude wirkten. Aktionen gegen Karten (Spion, Inquisition) und/oder Stapel (Inquisition, Kirchenbann) und Bücher (Zauberhand {Unklarheit des Regeltextes}) sowie Zaubersprüche gegen Aktionen (Zauberveto) sind nun auch nicht mehr möglich. Nachwievor ist es aber nach dem Bau des Steines der Weisen möglich mittels Ausbauten, z.B. Kaperflotten (direkt beim Bau), Landschaftsausbauten (z.B. Färberei), Johanna und Großem Basar den Mitspieler direkt zu schädigen oder Gebäude in das Fürstentum des Mitspielers zu bauen.
Universität
- Durch die Reform wurde die zusätzliche Handkarte gestrichen.
Werft
- Durch die Reform wurde die Werft zum Gebietsausbau um Flottenstrategien gleichwertig mit Ritter-, und sakralen Strategien zu machen, da diese mit der Burg bzw. der Mission auch einen Gebietsausbau besitzen, der den Bau von Rittern bzw. sakralen Gebäuden verbilligt.
Zauberküche
- Durch die Reform kostet diese nun 1 Gold und 1 Zauberkraft statt 2 Zauberkräfte.
2003 erfolgte dann die Veröffentlichung. Dem neuen Set lag ein Aufklebebogen bei mit dem alte Karten diesen neuen Regeln angepasst werden können. Dieser steht auch im Internet zum Download zur Verfügung. Zudem erschienen die alten Themensets in neuen 3er Sets, bei denen die Regeln der Reform berücksichtigt worden und auf die Regeländerungen hingewiesen wurde. Zeitgleich wurde das nun in der Catan Online Welt angebotene online-Kartenspiel modifiziert, so dass die Regeln auch online gültig sind. Lediglich für Nutzer der CD-ROM-Version hat sich nichts geändert, da diese nicht mehr gepflegt wird.
Auswirkungen
Da zeitgleich das neue Themenset Barbaren & Handelsherren (B&H) erschien ergaben sich plötzlich eine Vielfalt von neuen Möglichkeiten und Kombinationen, zwar waren auch weiterhin die Bildungs- und Zauberei-Strategie möglich, die Dominanz hatte aber deutlich abgenommen. Allerdings wurde durch die neue Karte Schreibstube des B&H-Sets auch das Spiel schneller. So wird von einigen Spielern kritisiert, dass es nicht mehr möglich ist durch systematische Sortierung der Kartenstapel das Spiel zu entscheiden. Vielfach ist für den Ausgang des Spieles wichtig welche Ereignisse in der Anfangsphase fallen und wer die Schreibstube zuerst findet. Dies kann dazu führen, dass ein Spieler beim Stande von 5:2 mit den dann spielbaren Aktionskarten den Gegner soweit zurück wirft, dass dieser im weiteren Verlauf des Spieles keine Chance mehr hat. Zudem zeigte sich, dass in den meisten Fällen für den Spielausgang der Besitz der Handelsmacht wichtiger ist als die Rittermacht, so dass Ritterdecks letztendlich weniger häufig eingesetzt wurden. Dies führte dazu, dass mit dem nächsten Set, dem 2006 erschienenen Künstler & Wohltäter weitere Möglichkeiten für Ritterfreunde geschaffen wurden.