Kosmos
Aus Ludopedia - Die Spiele Encyclopädie
Die Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG ist ein Stuttgarter Verlag, der unter der Marke Kosmos Spiele-Galerie (bis 1994/95: Franckh Spiele-Galerie) auch Spiele verlegt. Bedeutendster Titel des Spieleprogramms ist Die Siedler von Catan. Weiter befinden sich Experimentierkästen und Sachbücher im Programm des Verlages. Geschäftsführer ist seit 1995 Axel Meffert, die Zahl der Mitarbeiter beträgt ca. 110.
Inhaltsverzeichnis |
Geschichte
1822 wurde der heutige Kosmos Verlag als Franckh’sche Verlagshandlung in Stuttgart gegründet. Zunächst belletristisch ausgerichtet, entwickelte sich Kosmos im 20. Jahrhundert zu einem erfolgreichen Ratgeber-, Sachbuch- und Spieleverlag.
Am 6. Juli 1822 erhielten der Weinsteuereintreiber Johann Friedrich Franckh und sein Bruder Friedrich Gottlob die Konzession zur Betreibung einer Sortiments- und Verlagsbuchhandlung in Stuttgart. Darüber empörten sich die Buchhändler in der Hauptstadt des Königreichs Württemberg, dass die Obrigkeit Branchenfremden gestattete, einen Buchhandel zu führen. Bald gehörten Wilhelm Waiblinger und Eduard Mörike zusammen mit dem Hauslehrer Wilhelm Hauff zu den jungen und seinerzeit unbekannten schwäbischen Autoren, deren Entdeckung und Förderung sich die Brüder Franckh mit großer verlegerischer Leidenschaft widmeten. Auch mit der Reihe Kabinettsbibliothek klassischer Romane bewiesen sie gleichermaßen kaufmännisches wie programmatisches Geschick: Romane ausländischer Autoren, die Mitte des 19. Jahrhunderts bekannt und beliebt waren, wurden bei Franckh publiziert und zu Preisen verkauft, die unter den Leihgebühren der Bibliotheken lagen.
Nach dem Tod der Brüder ruhte längere Zeit die Verlagstätigkeit. Erst als Euchar Nehmann und Walter Keller sie 1893 übernahmen, kamen Erneuerungen dazu. Ihr erster Innovationsversuch, der abwaschbare Bucheinband, war noch nicht erfolgreich. Der zweite jedoch, die sogenannte Bauchbinde, ist bis heute nicht aus dem Verlagwesen wegzudenken. Da die beiden Freunde unbedingt innovativ bleiben wollten, machten sie sich die boomenden Naturwissenschaften und das Interesse der Bevölkerung daran zunutze und gründeten im Jahr 1903 die Gesellschaft der Naturfreunde. Deren Mitglieder erhielten zunächst einmal im Quartal, bald aber schon monatlich die Zeitschrift Kosmos, deren Ziel es war, naturwissenschaftlich fundierte Informationen leicht verständlich jedem Interessierten zugänglich zu machen. Bis 1912 stieg die Zahl der Mitglieder und damit die Auflagenhöhe der Zeitschrift auf 100.000. Rund um die Zeitschrift begann bald auch wieder die Buchproduktion zu florieren, die sich nun auf naturwissenschaftliche und naturkundliche Publikationen, später auch auf Kinder- und Jugendliteratur spezialisierte.
Anfang der 1920er Jahre wurde die Lehrmittelabteilung geschaffen, in der seither die Kosmos-Experimentierkästen entwickelt werden. Die ersten Experimentierkästen waren unter den Titeln Radiomann, Technikus, All-Chemist, Optikus und Elektromann waren bei Jugendlichen begehrt und beliebt. Der Erfolg war so groß, dass der Verlag die Kästen bald weltweit vertreiben konnte, Idee und Umsetzung wurden auf der Pariser Weltausstellung von 1936 mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Als Was blüht denn da? im Jahr 1935 erstmals erschien, ahnten weder der Verlag noch die Autoren, dass sie ein Standardwerk geschaffen hatten. Bis heute sind über drei Millionen Exemplare verkauft worden. An den Erfolg knüpft längst ein ganzes Programm beliebter Naturführer an, die Frage Was ... denn da? wurde zum Kosmos-Markenzeichen. Zahlreiche Bücher vor allem zu den Themen Garten, Tiere und Astronomie folgen.
Nach den Bombenangriffen auf Stuttgart vom Oktober 1943 war ein Großteil der Arbeit von 40 Jahren vernichtet. Dennoch gelang der Wiederaufbau, und pünktlich zum Jubiläumsjahr 1952 konnte der Neubeginn gefeiert werden. Auch die zweite Verleger-Generation veröffentlicht das, was die Zeit in puncto Naturwissenschaft und Technik interessiert. Rolf Keller und Euchar R. Neumann machen ihre Hobbys zum Programm: In den 50er und 60er Jahren wird das Titelspektrum auf die Themen Eisenbahnen, Elektronik und Pferde ausgedehnt. Ab 1985 kommen Spiele hinzu.
Bücher
Sachbücher und Unterhaltung für Kinder und Jugendliche wurden bei Kosmos schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts entwickelt. So erschienen in den 1920er Jahren neben Jugendfassungen berühmter Romane so bekannte Jugendbuchklassiker wie Die Höhlenkinder von Alois Th. Sonnleitner, die bis heute im Programm sind. Unter der Schirmherrschaft Alfred Hitchcocks startete man 1968 die Jugend-Krimireihe Die drei ???. Der Verlag bietet derzeit eine große Auswahl von Sachbüchern zum Thema Natur an, z.B. Bücher zur Heimtierhaltung, über Pflanzen, Mineralien und vieles mehr.
Experimentierkästen
Vorläufer der Experimentierkästen in Deutschland waren 1920 die Radio-KOSMOS Bausätze für Rundfunkempfänger der Lehrmittelabteilung der Franckh’sche Verlagsbuchhandlung W. Keller & Co. mit ihrer Gesellschaft für Naturfreunde. Im folgenden Jahr gaben sie den Experimentierkasten Elektrotechnik heraus. Es entstand eine ganze Reihe von KOSMOS Experimentierkästen, die heute noch fortgesetzt wird. Später wurde das Angebot auf Computer, z.B. die Lerncomputer Logikus und Kosmos CP1 erweitert. Mit diesen und anderen Experimentierkästen sind Generationen von Jugendlichen an naturwissenschaftliche und ingenieurwissenschaftliche Themen herangeführt worden. So mancher später erfolgreiche Chemiker machte seine ersten chemischen Experimente mit den Kosmos-Chemiebaukästen.
Gesellschaftsspiele
Ein schlaksiger Detektiv leitete 1985 den Erfolg der Kosmos Spielegalerie ein. Auch sie fand auf Anhieb begeisterte Anhänger und noch im selben Jahr wurde das Sherlock Holmes Criminal-Cabinet als Spiel des Jahres ausgezeichnet. Seither tauchen Kosmos-Spiele regelmäßig auf den Auswahllisten auf; den vorläufigen Höhepunkt markierte das sensationell erfolgreiche Die Siedler von Catan als Spiel des Jahres 1995.
Während bis 1995 die Spiele im Franckh-Kosmos-Verlag nur eine Nebenrolle gespielt hatten, hat sich dies nach dem Erfolg der Siedler von Catan grundlegend geändert. Wesentlicher Anteil an dem Erfolg der Kosmos-Spiele hat Reiner Müller, der damals als Spieleredakteur die Progammverantwortung trug. Ab 1998 wurde die Spieleredaktion ausgelagert und die Programmentwicklung der Firma TM-Spiele (benannt nach Klaus Teuber und Reiner Müller) übertragen.
Nach einer erheblichen Ausweitung des Spieleprogramms wurde in den Folgejahren ein Teil der redaktionellen Aufgaben wieder vom Stuttgarter Verlagshaus übernommen. Dort ist Barbara Schmidts für den Bereich Erwachsenenspiel zuständig, während Sebastian Rapp primär die Catan-Reihe betreut.
Seit 2006 werden, beginnend mit dem 1000-teiligen Catan-Puzzle auch Puzzles angeboten, 2007 startete die Kosmolino-Reihe, in der Bücher, Spiele und Experimentierkästen für Kinder im Vor- und Grundschulalter angeboten werden. In den letzten Jahren wurden auch vielfach erfolgreiche Romane, z.B. Die Säulen der Erde in Spiele umgesetzt. 2008 wurde das Programm durch Kartenspiele erweitert, die in kleinen Schachteln (12,2 x 9,6 cm) angeboten werden.
Seit 1997 lädt der Verlag jährlich zu den Siedler-Wochenenden ein.
Die folgende Liste enthält eine Auswahl der bei Kosmos erschienenen Spiele:
| Titel | Autor | Spiel des Jahres | Deutscher Spielepreis | Andere Preise | Besonderheit |
| Focus | Sid Sackson | 1981 | Neuauflage von Kosmos 1995 | ||
| Sherlock Holmes Criminal-Cabinet | Anthony Uruburu | 1985 | |||
| Müller & Sohn | Reinhold Wittig | Sonderpreis: Schönes Spiel 1986 | |||
| Forum Romanum | Wolfgang Kramer | Auswahlliste 1988 | |||
| Janus | Rudi Hoffmann | Auswahlliste 1988 | |||
| Heuchel & Meuchel | Rudi Hoffmann | Auswahlliste 1990 | |||
| Tal der Könige | Christian Beierer | 4. Platz 1992 | |||
| Big Boss | Wolfgang Kramer | ||||
| Die Siedler von Catan | Klaus Teuber | 1995 | 1995 | ||
| MarraCash | Stefan Dorra | 6. Platz 1996 | |||
| Die Siedler von Catan – Das Kartenspiel für 2 Spieler | Klaus Teuber | Auswahlliste 1997 | 2. Platz 1997 | ||
| Beim Zeus! | Klaus Palesch | 9. Platz 1997 | |||
| Caesar & Cleopatra | Wolfgang Lüdtke | Auswahlliste 1998 | 8. Platz 1998 | À la carte Kartenspielpreis 1998 | |
| Durch die Wüste | Reiner Knizia | Auswahlliste 1998 | 4. Platz 1998 | ||
| Kahuna | Günter Cornett | Auswahlliste 1999 | |||
| Giganten | Wilko Manz | Nominierungsliste 1999 | 6. Platz 1999 | ||
| Ta Yü | Nicolaas (Niek) Neuwahl | Auswahlliste 1999 | |||
| La Città | Gerd Fenchel | Auswahlliste 2000 | 4. Platz 2000 | ||
| Babel | Uwe Rosenberg, Hagen Dorgathen | Auswahlliste 2001 | 8. Platz 2001 | ||
| Der Herr der Ringe | Reiner Knizia | Sonderpreis: Literatur im Spiel 2001 | |||
| Alles im Eimer | Stefan Dorra | Auswahlliste 2002 | |||
| Nautilus | Brigitte & Wolfgang Ditt | 6. Platz 2002 | |||
| Ballon Cup | Stephen Glenn | Auswahlliste 2003 | |||
| Löwenherz – Der König kehrt zurück | Klaus Teuber | 5. Platz 2003 | |||
| Die Brücken von Shangrila | Leo Colovini | 10. Platz 2004 | |||
| Einfach genial | Reiner Knizia | 'Nominierungsliste 2004 | 5. Platz 2004 | Saarländischer Spiele Preis 2005 | |
| In 80 Tagen um die Welt | Michael Rieneck | Nominierungsliste 2005 | 6. Platz 2005 | ||
| Jambo | Rüdiger Dorn | Nominierungsliste 2005 | 8. Platz 2005 | À la carte Kartenspielpreis 2005 | |
| Ubongo | Grzegorz Rejchtman | 4. Platz 2005 | Saarländischer Spiele Preis 2006 | ||
| Das kleine Gespenst | Kai Haferkamp | Kinderspiel des Jahres 2005 | Nach dem Buch von Otfried Preußler | ||
| Hart an der Grenze | André Zatz Sergio Halaban | ||||
| Blue Moon City | Reiner Knizia | Nominierungsliste 2006 | |||
| Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod | Angelika Janssen | Nach dem Buch von Bastian Sick | |||
| Frauen & Männer | Uwe Rosenberg | ||||
| Just 4 Fun | Jürgen P. K. Grunau | Nominierungsliste 2006 | |||
| Die Säulen der Erde | Michael Rieneck, Stefan Stadler | Empfehlungsliste 2007 | 1. Platz 2007 | Spiel des Jahres in Norwegen Juego del año 2007 Game of the Year 2008 Japan Boardgame Prize 2007 | Nach dem Roman von Ken Follett |
| Tintenherz | Klaus Teuber | Nach dem Roman von Cornelia Funke | |||
| Der Goldene Kompass | Inka und Markus Brand | Nach dem Roman von Philip Pullman | |||
| Reise zum Mittelpunkt der Erde | Rüdiger Dorn | Nach dem Roman von Jule Verne | |||
| Keltis | Reiner Knizia | 2008 | 8. Platz 2008 | Mehrspielervariante von Lost Cities |
Supporter
Seit September 2007 setzt der Verlag Spieler als Supporter ein. Diese erhalten zunächst in Schulungen durch den Verlag InformAtionen und Handreichungen zu den Spielen, wobei mit den Catan-Spielen begonnen wurde und später sukzessive weitere Spiele folgen sollen. Bei Messen und in Spielwarengeschäften bzw. Spieleabteilungen von Kaufhäusern und anderen Veranstaltungen können diese dann die Spiele präsentieren und dafür Supporterpunkte sammeln, die sie in Spiele des Verlags eintauschen können.<ref>http://www.kosmos.de/kosmos/wrs/supporter.nsf</ref>
Quellen
Dieser Beitrag stammt in wesentlichen Teilen aus der Wikipedia, zu dem der Benutzer selber Teile beigetragen hat [1]
